Eva Schlegel

16. Juni 2009 bis 11. September 2009

RLB Kunstbrücke Innsbruck

Das Ephemere und Flüchtige, das gerade aufgrund fehlender Dauerhaftigkeit unsere Faszination weckt, ist in der Bildauseinandersetzung sowie in der Materialwahl eine Konstante im Œuvre Eva Schlegels. Das Entschwindende und Vergängliche steht daher auch im Mittelpunkt der aktuellen Ausstellung.

  • o. T. 001, 2002

    Lambdaprint 120 × 70 cm

  • o. T. 151, 2008

    Siebdruck auf Blei 40 x 30 cm

  • o.T. 167, 2009

    Siebdruck auf Blei 183 x 123 cm

Seit 1985 arbeitet die 1960 in Hall in Tirol geborene Künstlerin mit der Unschärfe des Blickes als experimentelle Untersuchung der menschlichen Wahrnehmung. Mit Materialien wie Glas und Spiegel, die programmatisch im Umgang mit dem Raum eingesetzt werden, gestaltet Eva Schlegel zahlreiche Installationen und „Kunst am Bau“-Arbeiten, die als stetige Auseinandersetzung mit dem architektonischen und immateriellen Raum zu sehen sind. Schlegels oft bis zur Unlesbarkeit unscharfen Textarbeiten auf Glas gleichen Recherchen über Ausdrucksgrenzen von Sprache und Kommunikation. Gleich Traumbildern scheinen die fotografisch inszenierten Porträtserien von Frauen wie eine Meditation über die Frage nach dem Verhältnis von körperlicher Präsenz und Absenz sowie eine Auseinandersetzung mit den aus den Medien geprägten Bildern des weiblichen Körpers.

Einem Traum entnommen könnten auch ihre Wolkenbilder sein, die in unserer Ausstellung einen Schwerpunkt darstellen. Als Vorlagen für diese Arbeiten dienen flüchtige Fotoaufnahmen, die Eva Schlegel archiviert, um sie zu bearbeiten. Dabei geht es der Künstlerin nicht nur um die jahrhundertealte kunsthistorische Tradition der Auseinandersetzung mit Wolkendarstellungen, sondern auch um die Übertragung der Fotografie in eine malerische Qualität, um die Irritation unserer Wahrnehmung. Waren ihre früheren Arbeiten auf Kreidegrund mit zahlreichen Lackschichten realisiert, sind ihre neueren Werke in Siebdruck auf Blei ausgeführt – die Flüchtigkeit der Wolken wird auf das schwere, assoziativ aufgeladene Metall gebannt.

Die Vielzahl der Wolkenfigurationen hat unsere Fantasie immer beflügelt, wobei besonders die Form der Lenticulariswolken zu zahlreichen Spekulationen führt. Diese linsenförmigen Wolken, auch Ufowolken genannt, stehen in letzter Zeit im Mittelpunkt des Interesses von Eva Schlegel, wie zahlreiche Beispiele in unserer Ausstellung zeigen. Der Schwerelosigkeit und den bizarren Formen dieser Wolkengebilde setzt Eva Schlegel das Alltäglich-Irdische in Form von Landschaften und Architekturen gegenüber. Als Vorlage für diese Arbeiten dienen der Künstlerin gefundene Fotos, die sie bearbeitet.

Begleitend zur Ausstellung erscheint eine umfassende Publikation im Schlebrügge Verlag mit Beiträgen von Dieter Buchhart, Clémentine Deliss, Abraham Orden, Martin Prinzhorn und Elisabeth Schlebrügge (176 Seiten).