RLB Kunstbrücke ####
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INFOBOX


zehn tiroler positionen
Raimund Abraham, Anton Christian, Heinz Gappmayr, Martin Gostner, Peter Kogler, Oswald Oberhuber, Max Peintner, Markus Prachensky, Helmut Schober, Lois Weinberger
18. November 2008 bis 16. Jänner 2009
Kuratorin: Silvia Höller


Die Ausstellung zum 10-jährigen Bestehen der RLB Kunstbrücke beginnt mit Arbeiten von Oswald Oberhuber aus den 1950er Jahren. Die 50er Jahre werden ausgehend von Paris international entscheidend vom Informel geprägt – einer auf Emotion und Spontaneität ausgerichteten abstrakten Malerei. Diese greift auch Oswald Oberhuber auf, wobei sein eigentliches Markenzeichen, die permanente Veränderung, der permanente Stilbruch ist, so dass sein Oeuvre vielfältig wie ein Irrgarten erscheint. Oberhuber ist nicht nur in seiner Kunst äußerst vielseitig, sondern er ist auch vielseitig in der Kulturpolitik aktiv, er engagiert sich bei der legendären Galerie nächst St. Stephan von Monsignore Otto Mauer und gestaltet vor allem als Rektor in den 80er Jahren die Hochschule für angewandte Kunst in Wien entscheidend mit. Zu den Gründungsmitgliedern der Gruppe nächst St. Stephan gehört neben Wolfgang Hollega, Josef Milk und Arnulf Rainer auch Markus Prachensky. Er repräsentiert die Philosophie der informellen Malerei radikal und konsequent wie wohl kaum ein anderer österreichischer Künstler. Die Farbe Rot dominiert seine expressive, gestische Malerei, die in den 60er Jahren oft an fernöstliche Schriftzeichen denken lässt.

Die 1960er und 1970er Jahre sind allgemein gekennzeichnet vom Aufbruch in neue Kunstauffassungen und von einer Vielzahl an neuen Tendenzen. Die Minimal- und Concept-Art, die Arte Povera, die Land Art, die Erweiterung des Kunstbegriffs hin zu einer sozialen Plastik, wie sie Josef Beuys in seinen Arbeiten vorgenommen hat, Grenzüberschreitungen zu Fluxus und Performances, zur Musik und Architektur, die verstärkte Einbindung alltäglicher oder organischer Materialien führen auch in Tirol zu spannenden Umsetzungen. Heinz Gappmayr beispielsweise setzt sich mit der Minimalart und Konzeptkunst auseinander. Er zählt heute zu den Hauptvertretern der sogenannten konkreten oder visuellen Poesie, die einen neuen Zugang zur Sprache schafft und sich unter anderem mit der räumlichen Dimension der Schrift befasst.

Helmut Schober hingegen erhält internationale Anerkennung im Bereich der Performance, wie die hier präsentierten Arbeiten zeigen, die er 1977 auf der documenta 6 in Kassel aufgeführt hat. Er arbeitete in seinen Performances immer mit dem eigenen Körper in Verbindung mit Objekten oder Geräten und thematisierte menschliche Zwänge, Ängste oder Widerstände. Die Ängste des Menschen greift auch Anton Christian bis heute in seinen Arbeiten auf. Der, einem Folterinstrument gleichende Thron von 1972 übersetzt die Abgründe der menschlichen Psyche in eine erschreckende Realität. Zentral für seinen Werkkomplex aus den 70er Jahren ist die künstlerische Einbindung von organischen Materialien, wie Schweinsköpfen, Kalbsohren oder eingelegten Schafsköpfen, mit denen er eine klassische, akademische Kunstauffassung hinter sich lässt.

An die Arbeiten von Anton Christian schließen Beispiele der utopischen Architekturzeichnungen von Rainmund Abraham aus den 60er und 70er Jahren an. Sie sind ein konsequenter Gegenentwurf zu einer rein Zweck, das heißt profitorientierten Architekturindustrie. Als zeichnerisches Nachdenken über die Grundlagen der Architektur stehen sie gleichberechtigt neben den gebauten Höhepunkten seiner Arbeit, wie etwa dem österreichischen Kulturinstitut in New York. Als studierter Architekt begann auch Max Peintner seine künstlerische Laufbahn mit Zeichnungen, die sich virtuos der linearen Perspektive bedienen. Seine Technikvisionen kippen ins satirische, seine Seilbahnen oder Autobahntrassen können als ironisierte Zukunftsvisionen der technikgläubigen 70er Jahre gelten.

Thematisiert Anton Christian in seinen frühen Arbeiten vielfach den organischen Zerfall und Verwesungs- prozesse, so interessiert Lois Weinberger, der Veränderungsprozess lebender, letztlich nicht kontrollierbarer organischer Materialien. Im Zentrum seiner künstlerischen Auseinandersetzung steht eine analytische Recherche in Bezug auf die Natur und ihrer Prozesse. Er stellt besonders die Untersuchung von Ruderalpflanzen, dem sogenannten Unkraut, in den Mittelpunkt und lenkt so den Blick auf Randzonen und hinterfragt Hierarchien unterschiedlicher Art. Seine Arbeiten, die aus jüngerer Zeit stammen, leiten über zu den zwei generationsmäßig jüngeren Positionen von Martin Gostner und Peter Kogler.

Martin Gostners Objekte entwerfen einen eigenen Kosmos weit aufgespannter Sinnbezüge, in dem ironisch kombinierte Materialien durch oft absurd wirkende Titel in ganz neue Bedeutungszusammenhänge gestellt werden. Seine Arbeitsweise verfolgt einen konzeptionellen Ansatz und setzt sich häufig mit Geschichte und Geschichten auseinander, die er seit Jahren mit dem sinnlich und assoziativ hoch besetzten Material Watte verbindet. Analytisch hingegen sind Peter Koglers Reflexionen über modulartig aufgebaute Großstrukturen, deren einzelne Bausteine repetitiv vorgestellt werden. Die Röhre, die Ameise oder die Windungen des menschlichen Gehirns überwältigen den Betrachter in seinen meist allumfassenden Rauminstallationen, sind aber auch als einzelnes Modul im Siebdruck ins Unendliche erweiterbar.

 
Die Infobox bietet detaillierte Informationen zur Ausstellung. Interessante Berichte und Bildmaterial stehen zum Download als .pdf zur Verfügung.

Raimund Abraham Triptychon Nine Houses, 1972/76 (Detail) Bleistift und Ölkreide auf Transparentpapier, je 99 x 100 cm
Deutsches Architekturmuseum, Frankfurt am Main

Anton Christian Thron, 1972 Holz, Eisen, Baumwollpolster, Wasserkübel (erste Fassung, restauriert und teilweise ergänzt)

Heinz Gappmayr o.T., 1961–62 Schreibmaschine, Papier, je 15.5 x 15.5 cm

Martin Gostner After my Death, 2003 Silicon, Wasser, Schrift, Plexiglas, Vögel,
90 x 50 x 50 cm

Peter Kogler Ohne Titel, 1993 (Detail) Siebdruck auf Leinwand, 15 Teile, je 60 x 60 cm
Galerie Johann Widauer, Innsbruck

Oswald Oberhuber Prater, 1952/53 Lack auf Hartfaserplatte, 87 x 150 cm
Sammlung Schmutz, Wien

Max Peintner Ohne Titel, 1973
Bleistift auf Papier, 62.5 x 88 cm
Privatbesitz München

Markus Prachensky Rot auf Weiß – Sebastianplatz, 1962 Lack auf Leinwand,
170 x 100 cm Galerie Richard Ruberl, Wien

Helmut Schober Glasstück, 1975/79 Performance mit Glas, Draht und verchromter Messingkugel; aufgeführt 1977 in Kassel, documenta VI

Lois Weinberger Augentrost, 2002
Malerei auf Tuch, 172 x 202 cm
Privatbesitz Innsbruck

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