INFOBOX
Helmut Schober und Tirol
Magdalena Hörmann
Der gebürtige Tiroler Helmut Schober verbrachte seine Kindheit und Jugend bis zur Matura in Innsbruck. Schon während seiner Schulzeit war klar, dass Kunst seine Sache wird. Das Studium an der Akademie in Wien schloss er 1972 mit Auszeichnung ab.
Interessanterweise ist aus seiner Biographie nicht abzulesen, was die Ausbildung in Wien für seine spätere künstlerische Entwicklung bedeutet. Sie steht ab 1973 ganz im Zeichen seiner Übersiedlung nach Mailand, wo er bald von der Kunstszene akzeptiert wird. In der lombardischen Metropole erkennt er sofort den fruchtbaren Boden des Großstädtischen für seine künstlerische Entwicklung.
Die Teilnahme an der documenta VI, 1977, als knapp Dreißigjähriger bedeutete einen ersten Höhepunkt und nahm zugleich eine Vision vorweg: im aktuellen Medium der Performance, dessen er sich bediente, ging es schon damals um Sichtbarmachung von Energien, Kräften, Dynamismen, den unergründlichen Faktor "Zeit".
Fundamentale Erlebnisse von Zeit und Raum in Malerei zu transponieren, in Bereiche zu projizieren, in denen sonst die Naturwissenschaften das erste Wort haben, sollte das mit Macht vorangetriebene Unterfangen des Künstlers in einem beeindruckenden Werkablauf werden. Mit immer neuen Zyklen von zumeist großformatigen Leinwänden umkreist er das Zentrum seines anspruchsvollen Themas, gestaltet immer wieder andere, licht- und farbdurchwirkte Kompositionen. Der Dynamik seines Arbeitsprozesses entspricht die seiner Persönlichkeit.
Schon in den siebziger Jahren wird er ohne nennenswerte Hilfe des Landes, ganz auf sich gestellt, in den Kulturzentren vorab Deutschlands, Italiens und den USA mit einer Vielzahl großer Ausstellungen in wichtigen Museen positioniert.
Bedeutende Kunsthistoriker und Kritiker schreiben bereits über sein Werk.
Vergleiche mit Eigenschaften, die für den Tiroler als typisch gelten drängen sich auf, womit wir direkt beim kleinen Thema wären, Helmut Schober und Tirol. Es ist tatsächlich einfacher angelegt als man glaubt.
Wenn der große Lebensradius von Person und Werk vorhanden und stimmig ist, war schon immer für die kleineren Radien, zu denen eben Heimat, Freunde, Herkunft und Sitten gehören, ohne Schwierigkeiten genügend Platz.
Heimat, nach erfolgreicher Laufbahn, kann da ein sehr angenehmes Wort sein, durchaus verwendbar, wenn es um Überlegungen zur Persönlichkeitsstruktur, eben Emsigkeit, Fleiß, Zähigkeit und zuvorderst um Begabung geht – oder auch, warum nicht, um werktypische Züge: die Perfektion Schobers in den komplizierten Entstehungsprozessen seiner Bilder, beeindruckt. Für diesen wichtigen Teil seiner Arbeit scheint es durchaus legitim zu sein, an die großen künstlerischen und handwerklichen Traditionen des Landes, dem er entstammt, zu denken. Gewiss sind hier Verbindungen vorhanden.
Schober freut sich darüber, in den Sammlungen des Landes, selbstverständlich auch in der Raiffeisenbank, vertreten zu sein und weiß es ohne Allüren zu schätzen, wenn sein Name auch in der Heimat geachtet wird. In diesem Sinne ist auch seine Erwartungshaltung für die Ausstellung in der RLB-Kunstbrücke in Innsbruck hoch angesetzt und auch die unsere ist es.
Einem Werk, das sich außerhalb jedes regionalen Kontextes entwickelt hat und selbst im internationalen Tendenzfeld, sosehr sich der Künstler auch damit auseinandersetzte, eigenständig und unverwechselbar ist, gilt die Aufmerksamkeit Tirols.
Der "ferne Spiegel" der Heimat wird für einige Zeit zum Brennspiegel für den Blick auf dieses Werk, gewiss auch für den Künstler zur Begegnung.
Ganz bestimmt kommt sein Besuch von Herzen. Jede Begegnung mit Helmut Schober besitzt die Eigenschaften des Besonderen.
Biographie
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Essay von Dieter Ronte, Direktor des Kunstmuseums Bonn. Download als .pdf
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| Die Infobox bietet detaillierte Informationen zur Ausstellung. Interessante Berichte und Bildmaterial stehen zum Download als .pdf zur Verfügung. |
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Helmut Schober, Zeit ohne Anfang II, 2002, Acryl auf Leinwand, 150 x 150 cm |
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Helmut Schober, Glühend - Verglühend 2, 2002, Acryl auf Leinwand, 150 x 150 cm |
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Helmut Schober, Aus dem Kleinen Horuszyklus I, 1988, Acryl auf Leinwand, 120 x 80 cm, Leihgabe E. Reiz-Elwert, Köln |
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Helmut Schober, Tanz nach Süden, 1996, Bleistift und Graphit auf Papier, 76 x 56 cm, Privarbesitz, Mailand |
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Helmut Schober, Devotionsstück, 1974, Performance - Fotografien und Skulptur |
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Helmut Schober, Zarathustra II, 1996, Acryl auf Leinwand, 285 x 285 cm |
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