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acht positionen – Fatima Bornemissza, Siggi Hofer, Anna Mitterer, Bernd Oppl, Robert Pan, Heidrun Sandbichler, Peter Senoner, Wolfgang Wirth

4. Juni bis 7. September 2007

Mit Öl auf Leinwand arbeitet Wolfgang Wirth. Ausgangspunkt seiner Arbeit ist bestehendes Bildmaterial – Postkarten, Fotos und Sujets aus dem Internet. Aus diesem Motivreservoir sucht er den rezeptiven Akt zu extrahieren – das Sehen, das Betrachten selbst ist ihm Thema. Er wählt Motive, die uns vertraut sind – oder scheinen – plakative Ikons, die Stereotypen unserer Phantasie und unseres Bildgedächtnisses bedienen. Dabei ist jedoch nicht die inhaltliche Aussage dieser Bilder interessant, sondern eben die Tatsache, dass sich kollektive Wahrnehmung in ihnen verdichtet. Wenn er diese Bilder in nahezu altmeisterlichem Realismus in Malerei transformiert –hebt er das selbstreferenziale Moment des Bildes – das letztlich nichts anderes als sein Bildsein formuliert, in den Fokus. Dem Annäherungsprinzip nach durchaus vergleichbar sind einige der Arbeiten von Heidrun Sandbichler – gleichwohl sich die Ergebnisse grundlegend unterscheiden.
Auch Sandbichler befragt die kollektive Wahrnehmung wie sie unsere Medienwelt bestimmt. In einer Arbeit, die nicht ohne Grund den Titel „ohne Titel und den Beititel „Skriptorium“ – in Anspielung an die Kopistentätigkeit in den mittelalterlichen Skriptorien trägt – in diesem Tuchbild sehen wir eine auf einem Theatersessel eingesunkene Frau – ein Bild das uns vertraut vorkommt – aus der medialen Berichterstattung über die Geißelnahme tschetschenischer Terroristen in einem Moskauer Theater 2002.

Auch Sandbichler materialisiert ein Bild, das sich über die Medien in unser kollektives Bewusstsein eingegraben hat. Auch bei ihr wird auf diese Weise das Bild als Bild zum Thema – gleichermaßen in der Fotoarbeit „schlafende Hunde weckt man nicht“, die das Stereotyp, das unsere Bildvorstellung von einer Straßenecke in Palermo wiedergibt, re- und dekonstruiert.
Nicht die Medialität, sondern die Materialität thematisiert Robert Pan, der wie Anna Mitterer und Wolfgang Wirth erstmals in Innsbruck ausstellt. Seine Arbeiten, die Pan dezidiert nicht als Tafelbilder verstanden sehen will, sind Objekte in nur scheinbarer Bildform. Ergebnisse von nahezu alchemistischen Experimenten mit Pigmenten, pulverisierten Metallen und Säuren, deren Reaktion mit dem Trägermaterial Epoxydharz in einer Dialektik von Zufall und Ordnung abstrakte Formen generiert. Es ist die optische Sensation, auf die Pan abzielt, das Schauerlebnis im Mikrokosmos der Materialität – die ablesbare Geschichte oder die Metaerzählung des Bildes sind für ihn keine intendierten Kategorien. Im materiellen Zugriff auf ein Objekt vergleichbar – doch im Ergebnis wiederum denkbar diametral entfernt zeigen sich die Arbeiten von Peter Senoner. Senoner arbeitet im klassisch skulpturalen Bereich. Seine Skulpturen bestechen durch eine heute ungewohnte handwerkliche Virtuosität. Androgyne, transethnische Wesen als lebensgroße Standbilder umgesetzt, stehen im Zentrum seines Werks. Zunächst als Holzskulpturen konzipiert, als Aluminiumgüsse ausgeführt und im letzten Schritt seines jüngsten Werks als Bronzegüsse mit weißem Kryolithglas überzogen, treten uns diese Migranten aus einer anderen Galaxie – wie Senoner selbst sie nennt – als glänzende Heroen technischer Perfektion entgegen. Um es mit Michel Leiris zu sagen, in dem sich Senoner wiederfindet „Sie versinnbildlichen die Sehnsucht des Menschen, seine Grenzen zu durchbrechen, auch auf die Gefahr hin, mit den Tieren, den Pflanzen, den Mineralien zu verschmelzen“. Es bedarf nicht des Verweises auf ihre Aktualität in Zeiten von Starwars und Genmanipulation, um diese suggestive Mitteilung der Migranten zu deuten.

Die Antipoden der Migranten Senoners gewinnen in den Silikonfiguren von Fatima Bornemissza Gestalt. Nicht die Sehnsucht des Menschen Grenzen zu durchbrechen, sondern die Brechungen des Menschlichen – sind ihr Thema. Bornemisszas Arbeiten kreisen um die Themen Körperlichkeit und Verletzung – ihre Silikonplastiken sind keine entrückten Bilder, sondern dem wirklichen Leben nahe. Auf die fragile Haut reduziert – Körper ohne Fleisch und Muskeln – sind ihre Transformationen des Menschlichen dem Betrachter ausgesetzt – ebenso wie sie den Betrachter einer Reaktion aussetzen – einer Reaktion zwischen Abstoßung, Irritation und uneingestandener Identifikation.
Nicht über Körperlichkeit, sondern über ein diffiziles Spiel mit intellektuellen Referenzen nähert sich Anna Mitterer. Für die junge Videokünstlerin sind Vergangenheit und Erinnerung essentielle Kräfte der Daseinsbestimmung. Marcel Proust, John Ruskin oder Walther Benjamin sind ihr Leitfiguren der Orientierung an Ursprungsmotiven der Modernen – auf die Schnelligkeit und „Oberflächlichkeit“ der allgegenwärtigen Medienwelt reagiert Mitterer mit Gegenbildern, die die verlorene visuelle Poesie rückrufen. Das Video wird zum poetischen Mittel. In der Arbeit „The seen walls of lost Eden“ führt sie den Betrachter eine Straße entlang – eine Straße die im Nichts endet – nicht das Ziel, sondern die Bewegung, das Verrinnen der Zeit erfährt hier seine Metaphorisierung.

Dominiert in den Videos von Anna Mitterer der filmische Charakter so basieren die Videoarbeiten von Bernd Oppl vorwiegend auf Programmiersystemen. In seinem Video „Für Ihre Sicherheit“ nimmt Oppl die „safety on board“-Karten, die sich in jedem Flugzeug finden, als Ausgangsmaterial. Die Piktogramme, die uns Wegweiser im Notfall sein sollten, mutieren zu Protagonisten, geraten außer Kontrolle, verselbstständigen sich in absurder Weise und hinterfragen so die Glaubwürdigkeit scheinbar bewältigbarer Katastrophen anhand von Sicherheitsvorkehrungen. In seiner Arbeit „Good vibrations in the Gagosian Gallery” hingegen präsentiert uns Oppl, betrachtet man nur den Monitor, eine scheinbare Dokumentation seiner Ausstellung in der renommierten New Yorker Galerie. Blickt man aber ins Innere des maßstabgetreuen Modells der Galerie wird diese „Dokumentation“ als Fake entlarvt, der nicht ohne Ironie auf die marktbestimmende Bedeutung von Galerien und Museen anspielt.

In eine scheinbare Realität führt uns auch Siggi Hofer mit seinen großformatigen Tusche-, Aquarellzeichnungen. Es sind utopische Stadtarchitekturen, in Einzelteile zerlegt und in minutiöser Kleinteiligkeit ausgeführt, die aber nur vordergründig dem Prinzip der Ordnung unterliegen. Siggi Hofer geht es nicht etwa darum urbane Lebensräume zu strukturieren, zu untersuchen oder einfach nur abzubilden. Unter dem Deckmantel einer trügerischen Idylle verfolgt er vielmehr die Fragestellung von Realität und Fiktion und problematisiert unsere Zuordnung von Abbild und Vorstellung, von objektiver Existenz und subjektiver Erfahrung.

 


 
Die Infobox bietet detaillierte Informationen zur Ausstellung.


Fatima Bornemissza
Ohne Titel, 2007
Print, 90 x 110 cm


Siggi Hofer
Ohne Titel, 2006
Tuschstift, Aquarell auf Papier, 152 x 300 cm
Sammlung Rubner, Italien


Anna Mitterer
Ein Bericht für eine Akademie (No 3), 2007
Leuchtkasten mit Videostill aus dem gleichnamigen Video, 40 x 60 x 17 cm



Bernd Oppl
Modell Galerie Gagosian, New York, 2007
Maßstab 1:300, mit Videoinstallation

Robert Pan
Lila`6,481, 2006–2007
Kunstharz, 54 x 54 x 7 cm

Heidrun Sandbichler
Ohne Titel I Skriptorium, 2006
Malerei auf Tuch, 91 x 122 cm

Peter Senoner
LEM, 2001–2006 (ed. 3/4)
Bronzeguss einbrandlackiert, Kryolithglas, 200 x 50 x 45 cm

Wolfgang Wirth
Lake (China), 2006
Öl auf Leinwand, 132 x 215 cm

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