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Heimkehr mit „Heimat“ -
Dorothea Wimmer im RLB-Atelier

2. April bis 22. Juni 2007


Das RLB-Atelier Lienz präsentiert in der zweiten Ausstellung dieses Jahres die gebürtige und heute in Wien lebende und arbeitende Lienzer Künstlerin Dorothea Wimmer, die mit der Ausstellung „Heimat“ nach 34 Jahren nach Osttirol „heimkehrt“. Wimmer gibt in dieser Ausstellung einen sehr persönlichen Einblick in die eigene Geschichte: die Kindheit erlebt im Spannungsfeld zwischen Furcht und Begeisterung, Verlassen und Verlassenwerden, die Kindheit als Basis einer zu erlernenden Rolle im Leben, als Basis für einen Aufbruch. „Es ist eine Suche nach Stimmungen, Erinnerungen und Erfahrungen ihres persönlichen Ausgangspunktes, ihres Zuhauses‘“, sagt Prof. Georg Loewit, der Künstlerische Leiter des RLB-Ateliers. Bis einschließlich 22. Juni 2007 ist die Ausstellung während der Schalteröffnungszeiten zu sehen.

Nach 34 Jahren kehrt die heute in Wien lebende und arbeitende Künstlerin Dorothea Wimmer mit „Heimat“ nach Lienz heim.

Dabei umreißt Wimmer mit dem Begriff „Heimat“ keinen Ort. „Vielmehr geht es ihr um Sinneserfahrung, Herkunft und Visualisierung erlebter Zustände“, erklärt der Künstlerische Leiter des RLB-Ateliers Prof. Georg Loewit.

„Zu Hause ist das, wovon wir ausgehen.“ Dieses Zitat von T. S. Eliot könnte man vor alle Arbeiten Dorothea Wimmers setzen. „Die Prägungen durch Elternhaus, häusliche Umgebung, Arbeitswelt der Familie finden ihren Niederschlag in Stimmungsbildern der Künstlerin“, so Loewit.

In ihrem Video „Heimatfilm“ lässt sich Dorothea Wimmer Fotos aus den Fotoalben ihrer Eltern auf der Zunge zergehen. Die Eltern übernehmen unwillentlich die Rolle von Schauspielern. Diese Bilder wecken Assoziationen eines Wiederkäuens der eigenen Geschichte. Sie sind unterlegt mit einem Soundtrack, der eine Collage aus trivialen wie auch großen Monologen oder Dialogen, eindringlichen Geräuschen und Musik aus unterschiedlichsten Hollywood- und Autorenfilmen ist und sich zu einem Essay über den Sinn des Lebens verdichtet.

Die acht großformatigen Fotos des elterlichen Betriebes - einer Gerberei -, die die Künstlerin vor Umbau und Teilabbruch im Jahre 1996 gemacht hat, sind eine Liebeserklärung an die Furcht – an die Erinnerung von Grusel und Spannung, die mit der archaischen Ausstrahlung dieser fast mystischen Räume verbunden war.
Erinnerungen an Menschen - Arbeiter und Lehrlinge –, welche sich gerne einen Spaß daraus machten, den Kindern in diesen Räumen das Fürchten zu lehren, an Gerbfässer, die Stapel von nassen Fellen, das Rinnsal in der Wasserwerkstatt als Metapher für Vergänglichkeit und Tod.

Um Identit äten geht es Dorothea Wimmer bei den acht Bildern in Leuchtkästen, auf denen Katzen als „Models“ agieren im eigentlichen Sinne eines „Catwalks“. Die Katzen werden einer Metamorphose unterzogen, sie verwandeln sich durch das Überstülpen von Fellen in andere Tiere, in Lamm, Rotfuchs, Dachs, Murmeltier etc.

In einer weiteren Arbeitsreihe wird der Heimat-Begriff ausgeweitet:
„ Heimat Kreuzberg“ beschäftigt sich mit den eigenen Reisen, einem „Leben aus dem Koffer“. „Heimat Theater“ befasst sich mit dem Schlüpfen in andere Rollen. Hier kommt der erlernte Beruf der Kostümbildnerin zum Tragen. „Heimat Neurosen“ thematisiert Ängste und Sich-Verstecken. „Heimat Tier“ stellt die Katze in den Mittelpunkt. „Heimat Krankheit“ rührt an die eigene Lebens- bzw. Krankengeschichte im Jahr 2004. Getrocknete Blumen und Haarausfall erfahren eine Gleichsetzung.

In zwei großen Wandkästen begegnen uns die Porträts der Eltern. Stimmungen und ambivalente Gefühle aus der Kindheit werden visualisiert, im strengen Blick des Vaters, in dessen Pupille sich die Künstlerin als Fotografin widerspiegelt, und im Gegensatz dazu der sanft in den Himmel entrückte Blick der Mutter.

Eine Pinnwand, drei Porträts von Kindern / jungen Erwachsenen, Fotos von maskierten Kindern, eine orange Rutsche mitten im dunklen Nadelwald und wieder in Leuchtkästen zwei Collagen aus circa 30 Fotos, zu Panoramabildern aufgeklappt, thematisieren „Baumhaus“ und „Dachboden“.

Das „Baumhaus“, idyllisch gelegen am Fuße einer Blutbuche – Erinnerungen an einen Urwald – „grüne Hölle“ (Paradies). Eine Rückzugsmöglichkeit aus weißen Stores, von Kindern errichtet, Ort der Intimsphäre, der aufkeimenden Sexualität. Und eine Würdigung an die kindliche Kreativität.

Der „Dachboden“ als Symbol für Erinnerungen: Schränke der Eltern, voller Geheimnisse, Verstecke. Ein Kind in der Tracht der Mutter am Boden kniend, einfallender Sonnenstrahl – Hinweis auf religiöse Zusammenhänge: Du sollst Gott fürchten und lieben. Der vierjährige Josef, furchtlos und frech vor ausgestopften Tieren stehend, verkörpert für die Künstlerin den Wunschtraum von Stärke und Furchtlosigkeit.

Bis einschließlich 22. Juni 2007 ist die Ausstellung während der Schalteröffnungszeiten (Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag von 8.00 bis 12.15 Uhr und von 14.00 bis 16.00 Uhr, Donnerstag von 8.00 bis 12.15 Uhr und 14.00 bis 17.30 Uhr) im RLB-Atelier in Lienz zu sehen.

 
Theater play dead 2006

Neurosen 2007

Kreuzberg 2006

Tier 2007

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