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Artur Nikodem, 1870-1940
„Aufbruch 1919 – 1926“
10.
Oktober bis 11. November 2005
Kurator: Georg Loewit
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Am 6. Februar des Jahres 1870 wurde Artur Nikodem im damals österreichischen
Trient geboren. Nach der Schulzeit und einem Jahr an den Kunstakademien
in München und Mailand ergriff er den Beruf eines Telegraphenbeamten
bei der Trientiner Post. 1893 bis 1908 lebte Nikodem in Meran,
wo er dem Meraner Künstlerbund beitrat und an dessen
Sammelausstellungen teilnahm. Diese Jahre können als
Beginn einer ernsthaften Auseinandersetzung mit der Kunst
angesehen werden. 1908 zog er mit Frau und Sohn nach Innsbruck
und ließ sich für immer hier nieder. Die Beschäftigung
mit zeitgenössischer Kunst und Kultur, vor allem mit
dem Jugendstil und ein ausgeprägter Hang zur Farbensymbolik
in den Landschaften kennzeichnen die Zeit vor dem Krieg. Während
des ersten Weltkrieges verbrachte Nikodem drei Jahre als Telegraphenoffizier
in Bulgarien und in Istanbul und konnte sich an den sinnlichen
Farben des Orients nicht satt sehen. 1919 kehrte er mit dem
Entschluss, sein Leben von Grund auf neu zu gestalten, zurück.
Die nun folgende Zeit des Aufbruchs und der Neuorientierung
ist Thema dieser Ausstellung:
1925/26 ebnete die Wanderausstellung „Tiroler Künstler“,
die von Gelsenkirchen ausgehend in vielen deutschen Städten
gezeigt wurde, den Weg zu internationaler Bedeutung. 1930,
am Höhepunkt seiner künstlerischen Laufbahn, heiratete
Nikodem das junge Malermodell Barbara Hoyer, mit der er die
letzten Jahre seines Lebens verbrachte. Mit dem Erstarken
des Nationalsozialismus in Deutschland kam dann die Wende.
Nikodems Bilder entsprachen nicht mehr den Vorstellungen und
wurden als „entartet“ gebrandmarkt. Dies trieb
ihn in künstlerische Isolation und finanzielle Not. In
den 30er Jahren hatte Nikodem keine Ausstellungsmöglichkeit
mehr. Er lebte kärglich in Innsbruck, die ärgste
Not wurde durch treue Freunde gelindert. In dieser Zeit entstanden
die wunderbaren Miniaturen in warmen Farben, für die
Nikodem bekannt ist. Im Februar 1940 starb er 70jährig
in Innsbruck.
Die Ausstellung greift eine begrenzte Zeitspanne im Leben
Artur Nikodems heraus und zeigt einen Querschnitt durch sein
Schaffen in dieser Zeit. Der kriegsbedingte Aufenthalt in
Bulgarien und vor allem in Istanbul, der für Nikodem
eine sinnliche Offenbarung bedeutete und ihn die Farben neu
entdecken ließ, war Schlüsselerlebnis in privater
und künstlerischer Hinsicht. Nach der Rückkehr erwirkte
Nikodem die Frühpensionierung bei der Post, mietete sich
ein Atelier und ließ sich als freischaffender Künstler
in Innsbruck nieder. Der Aufbruch erstreckte sich auf alle
Bereiche des Lebens. Die Trennung von der Ehefrau Maria Irma
Hein nach 27 Ehejahren und das Zusammenleben mit seiner großen
Liebe, der jungen Künstlerin Gunda Maria Wiese (1900-1924),
manifestierte sich in üppigen, prächtigen Blütenbildern
der Iris und der Mohnblume, deren geheime Erotik Nikodem in
poetischen Texten preist:
„Jetzt im wachsenden Sommer die Birken. Wenn man ein
Viereck in der Rinde mit einem sehr scharfen Messer herausschneidet,
ist die weiße Haut darunter ein herrliches Grünes,
von dem das süße Birkenwasser tropft, und wenn
man den Mund daran legt, wie liebend treue Lippen, ist - die
Rückseite davon sonnig gelb - dann das ganz weiße,
nasse, glatte, herrliche Birkenholz - das Innerste“.
Artur Nikodem |
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Bildnis
Emilie Lübcke, 1922 |
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Bergkreuz |
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Iris,
1921 |
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Kirche
in Rattenberg, 1925 |
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Kirche,
1925 |
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Landschaft
mit Birken
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